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Bautechnische Begriffe und Beschreibungen


Der Wärmebedarfsausweis
soll auch Laien ermöglichen, den Wärmeschutz eines Gebäudes zu beurteilen. Er beschreibt, wieviel Heizwärme das Gebäude rechnerisch im Jahr benötigt.
Der in ihm angegebene, sogenannte Jahresheizwärmebedarf wird pro Quadratmeter Wohnfläche angegeben.
Der Wärmebedarfsausweis ist Käufern, Mietern und sonstigen Nutzungsberechtigten eines Gebäudes auf Anforderung zur Einsichtnahme zugänglich zu machen.


Wärmedämmung
Verhindern / Hemmen / Verlangsamen des Wärmeabflusses. Irrtümlich wird eine Wärmedämmung auch Wärmeisolierung genannt. Das ist irreführend. Feuchtigkeit lässt sich isolieren. Eine Weinflasche verliert auch nach mehreren Jahren nicht ihren Inhalt. Wärme lässt sich jedoch nur dämmen. Der warme Inhalt einer Thermosflasche ist nach einigen Tagen erkaltet.
Wärmedämmung einer Hauswand - siehe Bauwissen mit Fachinformationen unter »massive Wände«


Wärmedämmplatten >> Vakuum-Isolationspaneele (VIP)

Vakuum-Isolationspaneele sind Hochleistungswärmedämmplatten, welche bei minimaler Dicke eine extrem hohe Wärmedämmung bieten. Durch das Vakuum im Inneren der Paneele, wird der Wärmeverlust über die Luft verhindert. Bei gleichem Wärmedurchgangskoeffizient (U-Wert) weist ein VIP damit eine 5- bis 10-fach geringere Dicke auf als herkömmliche am Bau eingesetzte Dämmmaterialien wie z.B. Polystyrol, Polyurethan, Glas- oder Mineralwolle. Herkömmliche Dämmstoffe haben im Vergleich zu VIP den Nachteil großer Schichtdicken. VIP haben eine deutlich geringere Stärke bei besseren Dämmeigenschaften.

Beachten Sie auch die weiterführenden Lexikon Links:
Vakuum-Isolationspaneele (mit ausführlichen Erläuterungen)
Wärmeübertragung



Wärmerückgewinnung

Vorrichtung zur Rückgewinnung des Wärmeinhaltes der Luft. In der Praxis lassen sich heute mit modernen Anlagen bis etwa 80% der Lüftungswärme zurückgewinnen. Damit wird der Lüftungswärmebedarf gesenkt. Bei Niedrigenergiehäusern ist der Lüftungswärmebedarf höher als der Transmissionswärmebedarf.


Wärmebrücke
Schwachstellen an Außenwandbauteilen, die eine geringere Wärmedämmung aufweisen als die umgebenden Flächen und Bauteile. Es sind häufig auch unsauber vermauerte Wände mit dadurch entstandenen Schlitzen, Fugen und Mörtelflickwerk, die Wärmebrücken entstehen lassen, über die dann die teure Heizwärme schnell nach außen fließen kann! Wärmebrücken führen zu der Gefahr der Tauwasserbildung an der Innenseite der betreffenden Bauteile und im schlimmsten Fall zu Bauschäden, Schimmelbildungen, Rissen, Putzabplatzungen etc.

Wärmebrücken lassen sich nur durch sorgfältige Planung und gewissenhafte Rohbau-Ausführung der Außenwände und aller Anschlussteile in der Aussenwand (wie z.B. Fensterrahmen, Türrahmen, Rolladenkästen, Rolladengurtführungen) von Anfang an vermeiden. In modernen Niedrig-Energie-Häusern sind Wärmebrücken der Feind des ganzen Dämmsystems und unbedingt zu vermeiden.

Die neueste Energie-Einsparverordnung (EnEV - aktuellste Fassung gültig seit 1. Oktober 2009) schreibt hier genaue Regeln und Anweisungen vor, die unbedingt zu beachten sind! Siehe auch Link: Welche wichtigen Änderungen bringt die neue EnEV 2009?

Wärmedurchgangszahl
(Wärmedurchgangskoeffizient) Siehe auch: "U-Wert" eines Baustoffs oder Bauteils.

Wärmedurchlaßwiderstand
Kehrwert der Wärmedurchgangszahl. Je größer dieser Widerstand, desto besser die Wärmedämmung, um so weniger Wärme geht verloren.


Wärmeleitzahl (Wärmeleitfähigekiet vo Baustoffen)
Die wichtigsten Größen zur wärmetechnischen Beurteilung von Außenwänden sind die Wärmeleitzahl "Lambda" und der Wärmedurchgangskoeffizient, kurz "U-Wert".
Lambda gibt an, welche Wärmemenge in Watt stündlich durch einen Quadratmeter einer 1 Meter dicken Baustoffschicht geleitet wird, wenn beide Oberflächen einen Temperaturunterschied von einem Grad Celsius aufweisen.
Der U-Wert gibt an, wie groß die in Watt gemessene Wärmemenge ist, die durch einen Quadratmeter Wandfläche innerhalb einer Stunde tritt, wenn die Lufttemperatur zu beiden Seiten der Wand sich um ein Grad Celsius unterscheidet. Je niedriger dieser Wert ist, desto besser ist der Wärmeschutz.


Wärmepumpe
Eine Wärmepumpe nimmt Wärme niedriger Temperatur aus der Umwelt (Luft, Wasser oder Erdreich) auf und gibt sie mit höherer Temperatur ab. Sinnvoll bei steigenden Energiepreisen. Von der Wärmepumpe im Keller führen Rohre in das Erdreich außerhalb des Gebäudes, in denen – je nach Heizungstyp - Wassergemische oder Luft zirkulieren und die die Wärme des Bodens aufnehmen. In der Pumpe wird diese Wärme gewonnen und mit Hilfe von Strom aus der Steckdose auf die benötigte Heiztemperatur für die Heizkörper erhöht. 75% der Energie, die für die Endwärme im Gebäude verwertet wird kommt aus der Erdwärme im Boden; nur 25% werden aus dem Strom generiert. Drei Viertel der Energie, die die Wärmpepumpe benötigt, stammen also aus der regenerativen Sonnenenergie, die im Boden gespeichert wird.

Wärmepumpen sind heute in Häusern mit moderner Gebäudetechnik in Kombination mit Wohnraumlüftungsanlagen ausgezeichnet geeignet, fossile Heizenergie zu sparen und das Haus umweltgerecht zu erwärmen. Die Kosten solcher Anlagen amortisieren sich immer schneller mit den immens steigenden Energiepreisen für Öl und Gas.

Hygienischer Wärmeschutz
Beim hygienischen Wärmeschutz kommt dem Wandbaustoff die Aufgabe zu, überall eine gleichmäßige und ausreichend hohe Oberflächentemperatur zu gewährleisten für ein gesundes und hygienisches Wohnraumklima. Denn an kühleren Stellen, so genannten Wärmebrücken, schlägt sich Wasserdampf nieder, die Tapete wird feucht und krank-machender Schimmel bildet sich. Kritische Bereiche sind Fensterlaibungen, Rollladenkästen und die Anschlüsse der Decken. Ziegelhersteller und Porenbetonwerke halten für diese Details spezielle Ziegel-Bauteile bereit, die eine homogene und durchgehend warme Außenwand möglich machen. So werden Wärmebrücken reduziert und entschärft. Ein Haus ohne Schimmel ist die Grundlage für gesundes Wohnen.

Wärmeschutzverglasung
Bei der Wärmeschutzverglasung wird eine der Glasscheiben mit einer hauchdünnen unsichtbaren Silberschicht bedampft. Sie lässt die kurzwelligen Lichtstrahlen in den Wohnraum hinein und reflektiert die langwelligen Wärmestrahlen aus dem Wohnraum wieder nach innen. Wärme gelangt von außen hinein und kann nicht mehr entweichen. Wärmeschutzverglasung hat einen dreimal besseren Wärmeschutz als bisherige Isolierverglasungen.


Wärmeschutzverordnung (WSVO)

Energie-Einsparverordnung "EnEV"

Ein wesentliches Element der Energiespar- und Klimaschutzpolitik in Deutschland ist die am 1. Februar 2002 in Kraft getretene Energieeinsparverordnung (EnEV), die mit der Neufassung vom 1.10.2007 an den verbesserten Stand der Technik angepasst wird.

Die EnEV fasst die bisherigen Anforderungen der Wärmeschutzverordnung (WSVO) und der Heizungsanlagenverordnung zusammen und setzt neue Standards für die Energieeinsparung bei Neubauten: Der zulässige Energiebedarf der Gebäude soll um rund 30 Prozent gesenkt werden, womit der so genannte Niedrigenergiehaus-Standard zur Regel wird.

Mit der EnEV wurde auch der Energieausweis für Neubauten zur Pflicht. Er soll die Energieeffizienz von Gebäuden für Eigentümer, Mieter und den Immobilienmarkt transparent machen.

Die aktuellste Energie-Einsparverordnung ist die EnEV 2014:

Zum 1. Mai 2014 startet die neue Energieeinsparverordnung, die EnEV 2014. Um die Energiewende voranzubringen, hat die Bundesregierung die Änderung der Verordnung bereits im Herbst 2013 beschlossen, entsprechend der gesetzlichen Regelung tritt diese nun in Kraft. Mit der EnEV 2014 gelten verschärfte Rahmenbedingungen für Neubau- und Bestandsimmobilien. Zu den wichtigen Neuerungen für gebrauchte Objekte zählen etwa die Außerbetriebnahme von alten Heizkesseln sowie die verpflichtende Vorlage und Übergabe eines Energieausweises bei Verkauf und Vermietung von Immobilien.

Die energetischen Verschärfungen, die mit der EnEV 2014 wirksam werden, betreffen hauptsächlich Neubauten. So sinkt für neu gebaute Häuser ab 1. Januar 2016 der zulässige Jahresprimärenergiebedarf um 25 Prozent und voraussichtlich ab 2021 soll ein noch genau zu definierender Niedrigstenergiehausstandard gelten.

Doch die novellierte EnEV umfasst auch für Bestandsgebäude Neuerungen. Insbesondere ältere Ein- und Zweifamilienhäuser stellen den größten Teil der deutschen Immobilien dar und spielen daher für das Gelingen der Energiewende langfristig eine entscheidende Rolle.

Mit Einführung der EnEV 2014 wird für Bestandsbauten die steuerliche Nutzung der Absetzung von modernisierungsbedingten Mehraufwendungen um einen Punkt auf zehn Prozent abgesenkt und kann nur bis zur Amortisierung der Maßnahme in Anspruch genommen werden. Eine deutliche Verschärfung gibt es zudem durch die Verpflichtung zur Vorlage und Übergabe eines Energieausweises bei Verkauf oder Vermietung von Bestandsimmobilien.



Wärmeschutznachweis
Der Nachweis des baulichen Wärmeschutzes erfolgt heute nach einem grundsätzlich neuen Konzept. Die thermische Qualität eines Gebäudes wird nicht mehr allein durch die Wärmedämmung der Bauteile, dem "k-Wert", beurteilt. Im Mittelpunkt steht jetzt der Heizenergiebedarf eines Gebäudes: Bei der Berechnung werden die
- Wärmeverluste durch die Außenbauteile und Lüftung
- Wärmegewinne durch die Sonne und elektrische Geräte
in einer sogenannten "Energiebilanz" erfaßt.
Das Ergebnis erlaubt eine Abschätzung des Energieverbrauches eines Gebäudes.
Das Nachweisverfahren der Wärmeschutzverordnung verlangt keinen Mindest-Wärmedämmwert der einzelnen Bauteile. Es fordert lediglich den Nachweis, daß das Gebäude nicht insgesamt zu viel Heizwärme benötigt.



Wärmespeicherung
Das Wärmespeichervermögen der Außenbauteile spielt für den Jahresheizenergiebedarf keine Rolle. Speichert eine Außenwand Wärme, so gibt sie diese Wärme nicht nur an die Innenräume, sondern auch nach außen ab.
Anders ist es mit dem Wärmespeichervermögen der Innenwände und Zwischendecken. Alle Wärme, die sie speichern, geben sie ausschließlich später wieder an die Innenräume ab. In der Übergangszeit im Frühling und Herbst reicht das Wärmespeichervermögen eines massiven Hauses aus, mit der am Tage gespeicherten Wärme des Nachts die Räume zu wärmen, ohne daß die Heizung eingeschaltet werden muß.


Wärmeübertragung - Mechanismen der Wärmeübertragung

1. Wärmeleitung
Bei der Wärmeleitung handelt es sich um die Wärmeübertragung in Feststoffen. Erwärmt man z.B. einen Metallstab an einem Ende, so wird die Wärme zum anderen Ende weitergeleitet. Ein Wärmetransport kann aber auch in Gasen erfolgen, wenn Moleküle mit höherer Temperatur, d.h. schnellere Moleküle mit kälteren und somit langsameren Molekülen zusammenstoßen. Feststoffe besitzen eine von ihrer Atomstruktur abhängige Eigenleitfähigkeit. So sind z.B. die Metalle gute, Glas und andere Silikatmaterialien hingegen schlechte Wärmeleiter. Kleine Gasmoleküle wie Wasserstoff leiten die Wärme besser, als große Moleküle wie Sauerstoff und Stickstoff.

2. Konvektion
Wärmeübertragung durch Konvektion ist hauptsächlich bekannt bei Flüssigkeiten. Dieser Effekt ist allerdings ebenso bei Gasen zu beobachten. Durch Wärme angeregte Moleküle geben dabei ihre Energie an kältere, also energieärmere, Moleküle weiter. Bei Gasen wie z.B. der Luft hat dies zur Folge, dass warme Luft nach oben steigt und kalte Luft nach unten sinkt. Dadurch findet ein Energieaustausch statt. Diesen Mechanismus macht man sich zum Beispiel beim Heißluftballon zunutze.

3. Wärmestrahlung
Bei der Strahlung handelt es sich um Energieübertragung durch elektromagnetische Wellen. Auf diese Weise wird die Erde durch die Sonne erwärmt. Inwieweit ein Körper Strahlung abgeben und aufnehmen kann, hängt von seiner Atomstruktur ab. Mit der Vakuumtechnik lassen sich alle drei Wärmeübertragungsmechanismen eindämmen. Das beste Beispiel für die Vakuumisolierung ist das üblicherweise als Thermosflasche bezeichnete Dewar-Gefäß, bei dem der Raum zwischen den beiden Wänden eines Zylinders fast vollständig (zu 99,9 %) evakuiert wird. Da praktisch keine Gasmoleküle mehr vorhanden sind, findet keine Wärmeübertragung durch Wärmeleitung oder Konvektion statt. Das Ergebnis ist eine extrem geringe Wärmeleitfähigkeit: 0,005 W/mk (R 30) oder noch niedriger. Die Aufrechterhaltung eines solchen Druckgefälles zwischen der Außen- und der Innenseite des Gefäßes ist jedoch mit mechanischen Schwierigkeiten verbunden. Damit sind der Gestaltung solcher Gefäße und den hierfür geeigneten Materialien Grenzen gesetzt. Dazu kommt noch, dass die Wände des Zylinders absolut gas- und feuchtigkeitsundurchlässig sein müssen, weil schon eine kleine Zahl von Gasmolekülen das Isoliervermögen zunichtemachen würde.


Warmluftheizung
Ein Heizsystem, bei dem Luft als Wärmeträger dient. Sie wird im Wärmeerzeuger aufgeheizt und den angeschlossenen Räumen über Luftkanäle zugeführt. Spielt bei der Wohnungsbeheizung bisher nur eine untergeordnete Rolle, kann aber in Kombination mit Anlagen zur Lüftung an Bedeutung gewinnen.

Warmwasserbereitung
Die Erzeugung von warmem Wasser beansprucht einen wachsenden Anteil am häuslichen Energieverbrauch. Er liegt heute im Durchschnitt bei rund 20 Prozent, wird aber künftig weiter steigen. Das liegt zum einen am zunehmenden Komfortbedarf bei der Warmwasserversorgung, zum anderen am rückläufigen Heizenergieverbrauch. Nach Einschätzung von Fachleuten kann der Energieanteil der Warmwasserbereitung im Niedrigenergiehaus 50 Prozent und mehr ausmachen. Deshalb sind auch hier Geräte und Systeme gefragt, die für wirtschaftlichen und umweltbewussten Energieeinsatz sorgen. Welche Lösung sich eignet, hängt sehr stark von persönlichen Faktoren ab (Zahl der Personen im Haushalt, Sanitärausstattung, Lebensgewohnheiten). Die Warmwasserbereitung kann im Durchlaufsystem oder im Speichersystem erfolgen.

Warmwasserverbrauch
Pro Person und Tag werden in den deutschen Haushalten durchschnittlich 134 Liter Wasser verbraucht. 40 bis Prozent davon sind Warmwasser - je nach sanitärer Ausstattung und Lebensgewohnheiten. Für jedes Händewaschen werden etwa zwei Liter warmes Wasser (cirka 37 Grad Celsius) benötigt, für ein Duschbad 30 bis 70 Liter und für ein Vollbad 120 bis 180 Liter.

Wasserdampf
Wasser in gasförmigem Zustand, als Teil der Luft. Je Person fallen täglich durch Verbrennung im Körper 1-2 Liter, durch Kochen, Baden, Waschen usw. 1/2 - 1 Liter Wasserdampf an.

Wertstoff
Zur Herstellung verwertbarer Zwischen- oder Endprodukte geeigneter Abfallstoff, Abfallbestandteil oder Reststoff. Konventionell werden als Wertstoff alle Altstoffe verstanden, nicht jedoch z. B. Pflanzenabfälle, Gülle, Naßmüll und dergleichen.Wärmebeständigkeit

Wirkungsgrad
Der thermische Wirkungsgrad gibt an, wieviel % der zugeführten Wärme in Arbeit umwandelbar ist. Physikalisch korrekt kann der Wirkungsgad maximal 100% betragen. Bei Brennwertkesseln beträgt der Wirkungsgrad zum Beispiel 104%. Er wird dabei - wie bei allen Heizkesseln üblich - auf den unteren Heizwert bezogen. Dadurch sind die Kesselwirkungsgrade vergleichbar.
Der Brennwertkessel nutzt zusätzlich die Kondensationswärme, die im Abgas enthaltenen Luftfeuchte, die im unteren Heizwert nicht enthalten ist.

Wirtschaftlichkeit
Größtmöglicher Ertrag mit dem geringstmöglichen Aufwand.
Ein Schlagwort, daß besonders in der Werbung auch für Baustoffe und Bausysteme mehr als häufig vorkommt.


Wohnraumlüftungsanlagen
Die immer dichtere Bauweise bei Neubauten – Niedrigenergie- und Passivhaus – sowie konsequente Dämm-Maßnahmen bei Altbauten tragen dazu bei, den Heizwärmebedarf deutlich zu senken. Dieser auch durch die EnEV (Energieeinsparverordnung) forcierte Effekt ist sowohl energiepolitisch wie ökonomisch richtig und sinnvoll. Er hat allerdings auch Kehrseiten: der für ein gesundes und angenehmes Raumklima notwendige Luftaustausch von verbrauchter Luft gegen Frischluft findet nicht oder nicht mehr in ausreichendem Umfang statt.
Messgröße für den Luftaustausch ist die Luftwechselrate (LWR) h-1. Der Wert der LWR, z. B. 0,5 h-1, gibt an, dass ein Luftwechsel innerhalb einer Stunde 0,5-mal abläuft. Das bedeutet, dass in zwei Stunden ein kompletter Luftaustausch stattfindet. Ein Wohnhaus, errichtet nach den Standards der Niedrigenergie- oder Passivhausbauweise, erreicht eine LWR von 0,1 h-1. Um eine ausreichende Grundlüftung zu erhalten, setzen Experten eine LWR von mindestens 0,5 h-1 an.

Um diesen Wert zu erzielen, könnte manuell gelüftet werden: Jedes Fenster im Haus müsste dazu jede Stunde einmal für die Dauer von fünf Minuten geöffnet werden (Tag und Nacht, auch während der Abwesenheit der Bewohner). Dies ist realistisch gesehen nicht machbar. Systeme zur kontrollierten Be- und Entlüftung sorgen hier für Abhilfe und liefern gleich bleibend hohe Raumluftqualität. Die mit Wasserdampf, Gerüchen oder Schadstoffen belastete Raumluft wird kontinuierlich durch Frischluft ersetzt. Maßstab für die Raumluftbelastung ist der entsprechende CO2-Gehalt, weitere Verunreinigungen verhalten sich nach Expertenmeinung proportional zum gemessenen CO2-Wert. Liegt dieser Wert bei weniger als 0,1 Volumenprozenten, so wird das Klima als angenehm empfunden.

Für den Architekten bedeutet dies vor allem mehr Freiheit in der Planung. Wie letzten Endes die vorgeschriebenen EnEV-Kriterien erfüllt werden, bleibt der Kreativität des Architekten überlassen. Kontrollierte Wohnraumlüftung ist dabei in jedem Fall eine wichtige Komponente, die im Übrigen auch dazu führt, dass allzu aufwändige und kostentreibende Wärmeschutz-Maßnahmen bei Berücksichtigung weiterer Kriterien (Brennwertheiztechnik, Solaranlagen etc.) nicht notwendig sind. Das Fachinstitut Gebäude-Klima empfiehlt Planern in diesem Zusammenhang, bei der Entscheidung für eine Kontrollierte Wohnraumlüftung das Nachweisverfahren für die EnEV mit detaillierten Produktkennwerten (DIN 4701 Teil 10) zu führen.













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